Fragments of an unknown city




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Vorstellung und Ereignis
Ereignissen argumentiert werden. Ereignisse werden – mit gutem Recht – zuletzt wieder wichtig 
genommen, nach dem Tod des postmodernen „anything goes“ im letzten Jahrzehnt (man denke nur 
Über die Wirkung einer Ausstellung
an den unverhofften Rückbezug auf die Situationisten und auch, im Feld des Denkens, an die Philo-
sophie Alain Badious). Hier möchte ich daher deutlich weniger versuchen. Hochgehalten wird nur, 
was eigentlich ohnehin selbstverständlich sein sollte: dass aus den Erlebnissen oder Werken irgend-
Es mag verlockend sein, eine Ausstellung im Nachhinein zu rechtfertigen – dann, wenn alles vorbei 
etwas folgt, dass sie fordern, wie der „Archaische Torso“: „Du musst dein Leben ändern“ (Rilke). Nur 
und schon der Erinnerung überantwortet ist –, vor allem, wenn die Ausstellung für ein „Publikum“ 
dann hat das Erlebnis (oder das Werk) seine erhoffte Wirkung: wenn der Bruch/die Erschütterung 
rekapituliert wird, dass sie im Normalfall nicht vor Ort, in St. Petersburg, besuchen konnte. Die Erin-
zu irgendetwas führt. Erlebnisse können für Brüche sorgen und Änderungen herbeiführen. Häufig 
nerung wird im Nachhinein den Erlebnissen eine Form verleihen, obwohl sie, was auch immer das 
aber werden sie „nur“ erlebt oder unverstanden vergessen. „Ereignis“ kann daher letztlich nur ge-
heißen mag, einfach „passiert“ sind – nicht, weil die Ausstellung vorher nicht geplant worden wäre, 
nannt werden, was Wirkungen hat, die über den unmittelbaren Moment hinausgehen und trotzdem 
im Gegenteil, sondern weil sie vielleicht im Vorhinein nicht geplant werden konnte
erschüttern. Alle anderen „bloßen Erlebnisse“ gehen wieder im Alltag verloren, in dem sie wirksam 
Es mag verlockend sein, die Dinge in eine suggestive Form zu kleiden. Ob es legitim ist, werden an-
werden sollten: ihr Bruch bleibt folgenlos.
dere zu entscheiden haben. Hier soll – das sei klar gesagt – eine Ausstellung vermittelt werden. Von 
nun an wird sie, wohl oder übel, im Raum der Vorstellung leben müssen.
Es mag nahe gelegen haben, der Eigendynamik des urbanen Raums die Eigendynamik von unmittel-
baren Ereignissen zur Seite zu stellen (von Ereignissen, wohlgemerkt, die im urbanen Raum selbst 
Eine Ausstellung, die nicht geplant werden kann? – „Urbane Räume führen ein Eigenleben, sie wer-
stattfinden), hätte aber allzu leicht zur Anmaßung geraten können. In Berlin konnten und können wir 
den angeeignet, umgenutzt und immer wieder überformt. Planbar mögen sie sein, kontrollierbar 
im öffentlichen Raum agieren, Grenzen überschreiten und (hier und da) auch verschieben – durch 
aber sind sie nicht. Sie sind lebendig: Stadtplanung wird so zu einem Paradox.“ Mit dieser Behaup-
illegale Ausstellungen, die „Ereignischarakter“ haben und nur durch ihre Existenz (vielleicht) bereits 
tung begann die erste Fassung unserer Pressemitteilung zur Ausstellung „Fragments of an unknown 
eine Provokation bedeuten. In Russland ist der öffentliche Raum jedoch ein anderer, ein Raum, der 
city“, die Ende Oktober 2011 in der alten Textilfabrik Krasnoe Znamya („Rote Fahne“) eröffnet wurde. 
– wie wir gesagt bekommen haben – wirklich erkämpft werden muss. Genau das war vielleicht die 
Auf zweierlei sollte mit der Einleitung aufmerksam gemacht werden: auf eine Ambivalenz innerhalb 
Aufgabe, die wir hätten angehen können. Genau dazu fühlten wir uns (als Kuratoren) jedoch nicht 
des Feldes der Stadtplanung (die Diskrepanz zwischen geplantem und gelebtem Raum) und auf die 
in der Lage.
unumgängliche Prozesshaftigkeit lebendiger urbaner Strukturen. Beide Punkte mussten im Status 
Der öffentliche Raum muss von der russischen Allgemeinheit erkämpft (oder, wenn man die Lage we-
einer Behauptung verbleiben. 
niger pessimistisch beurteilt: erhalten) werden. Ihr zu zeigen, wie es geht: das wäre die Anmaßung, 
Die  Beantwortung  der  Fragen  (wenn  sie  denn  überhaupt  beantwortbar  sind)  war  der  Konferenz 
das wäre Bevormundung, obwohl wir uns zurückhalten sollten (denn so toll ist der öffentliche Raum 
„Urban Development and Politics in Europe and Russia“ vorbehalten, in deren Rahmen „Fragments 
bei uns nun wirklich nicht; auch wir müssen uns immer wieder daran erinnern, um ihn zu kämpfen).
of an unknown city“ stattfand. Wir wollten und sollten mit den Mitteln der Kunst über Stadtplanung 
Wie dem auch sei, letztlich haben wir ein Ausstellungsformat gewählt, das mehr oder minder kon-
nachdenken. 
ventionell, in jedem Fall aber: „maßvoller“ war. Die Gefahr, dass die Werke „nur“ erlebt und ver-
Mit den Mitteln der Kunst? – Eine naheliegende und zu Beginn der Planung angedachte Form der 
gessen werden, war geringer; ebenso die Gefahr, im kleinen Rahmen „imperialistisch“ zu sein. Die 
Ausstellung war die Verkettung von „Ereignissen“ im städtischen Raum. Ein „Spaziergang“ (in Erman-
Ausstellung bestand daher zu weiten Teilen aus raumgreifenden „Installationen“. Viele von ihnen 
gelung eines besseren Wortes) durch die Stadt war die favorisierte und bereits mehrfach erfolgreich 
machten  sich  ungewöhnliche  Materialien  zunutze.  Wachstums-  und  Verfallsprozesse  (von  Pilzen, 
erprobte Möglichkeit (von Dmitry Vorobyev in St. Petersburg und von den Teilnehmern des Instituts 
Bakterien, Rauch, Atomen) wurden zu zentralen Metaphern für die Eigendynamik der Stadt. Der 
für Raumexperimente in Berlin [Andreas Greiner, Julian Charrière, Markus Hoffmann, Felix Kiessling 
Stadtraum wurde zwar einbezogen, aber im Ausstellungsraum reflektiert. „Erlebnisse“ gab es auch 
und Fabian Knecht]). Im Rahmen eines solchen „Spaziergangs“ hätte die Vielfalt und Eigendynamik 
(es gab sogar solche, die nicht verstanden werden sollten). Wir nahmen daher an, die Konventionen 
der Stadt am eigenen Leib und daher unmittelbar erfahren werden können – in einer losen Folge 
so gewahrt zu haben, dass sie aus ihrer eigenen Logik heraus verändert werden können.
realer, wenn auch vorstrukturierter Erlebnisse, die nicht in allen Einzelheiten hätten geplant werden 
können. Die Erfahrung hätte Anschluss gefunden an jene, die wir im Alltag machen; die Grenze zwi-
(Die Begriffe könnten oben zu Verwirrungen geführt haben, da „Ereignis“ hier in zwei unterschied-
schen Akteuren und Betrachtern wäre brüchig geworden. Die Veränderbarkeit des urbanen Raums 
lichen Kontexten verwendet wird. Zunächst war von Ereignissen im öffentlichen Raum die Rede, 
hätte sichtbar gemacht und erprobt werden können. Warum haben wir uns gegen diese Möglichkeit 
die zumeist die unbestimmte Form von „Aktionen“ annehmen. Der Begriff wurde dann jedoch 
entschieden?
erheblich erweitert: auf Erschütterungen von sonst für unverrückbar gehaltenen Ordnungen. Von 
Ereignissen als „Aktionen“ haben wir uns distanziert – aus den obengenannten Gründen, aber auch 
Für mich (ich werde und sollte hier ganz und gar nicht für die Künstler sprechen) läuft das unmittel-
aus dem folgenden: Vielleicht hinterlassen erst „vermittelte“ Erlebnisse eine bleibende, wirklich 
bare Erleben immer Gefahr, zu formlos zu werden. „Das macht das Ereignis gerade aus“, wird man 
nachhaltige Wirkung – durch Objekte vermittelte Erlebnisse bspw., die dem Denken einen Halt und 
(zu Recht) entgegnen, „dass es uns mit Dingen konfrontiert, die unerwartet sind.“ Im Ereignis werde 
dem inneren Auge ein Bild geben. Auch die „Vorstellung“ kann zu einer solchen Vermittlungsins-
– wird man ergänzen – letztlich aufgebrochen, was für unverrückbar in der Welt (und in uns selbst) 
tanz werden, die real gemachten Erfahrungen Festigkeit und Dauer verleiht. Gewährleistet werden 
gehalten wird. Ein Ereignis muss und wird, wenn es erfolgreich ist, erschüttern – und Erschütterun-
muss daher beides: ein Bruch mit der Ordnung und eine Form, in der dieser Bruch überdauern 
gen sind, in Anbetracht der Lage, gut zu heißen. (Man könnte sogar behaupten, Erschütterungen 
kann [eine materielle oder nicht]. 
wirkten immer belebend und müssten daher als eine Art „permanente Revolution“ verstanden wer-
Es soll nicht bezweifelt werden, dass auch Aktionen Formen generieren. Die Form, die im Moment 
den – eine Revolution, für die vielleicht die Kunst des frühen zwanzigsten Jahrhunderts mit gutem, 
entsteht, kann jedoch allzu leicht missraten. Das war weiter oben mit der Gefahr, „formlos“ zu wer-
lebendigem Beispiel vorangeht.)
den, gemeint. Jedes Ereignis als Aktion muss nicht zuletzt dagegen kämpfen.  
Hier soll nicht (wie in einer alten, verworfenen Version des Textes) gegen die Unvermitteltheit von 
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