Fragments of an unknown city




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Das, wie gesagt, sind die Extreme. Es fehlt ein Dazwischen. Einerseits, weil unser Eindruck nach die-
mündigt  die  Akteure  des  sie  umgebenden  und  durch  sie  erst  belebten  Ortes.  Nicht  nur,  weil  ihr 
sen zwei kurzen Reisen sicher nur ungenügend sein kann. Andererseits, weil tatsächlich eine Lücke 
Handlungsrahmen tatsächlich determiniert ist – bereits durch Fragen der Förderung, Ausbildung, 
zu bestehen scheint: Der etablierte Aufruhr gegen die Tradition, dessen Bedingung eine umfangrei-
Existenzgrundlage. Sondern weil Geschichte und mithin das Gegenwärtige starr und unnahbar wird. 
che und öffentliche Aufarbeitung des letzten Jahrhunderts (Kunst-)Geschichte ist. Seit über hundert 
Wenn die Kunst nicht mehr über das Aktuelle reden darf, nur Gefestigtes bestätigt, welche Funktion 
Jahren denkt die Kunst im westlichen Raum vornehmlich über Fragen ihrer selbst, ihrer Handlungs-
nimmt sie ein? Restauration. Sich von dieser Bestimmtheit frei zu machen, ist sogleich mit einer 
orte und -bedingungen nach. So bestrebt darin, sich frei zu machen von Institutionen, Medien oder 
Grobheit (wie etwa der Gruppe Vojna) verbunden – ein subtileres Vokabular ist nicht etabliert. Eine 
Autorschaft, dass sie letztlich selbst fraglich wurde und die Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst 
Grobheit, die aber auch auf Angst stößt und gleichermaßen genutzt werden kann, um mit Exempel-
verschwommen ist. In Russland hingegen, einst so zentraler Schauplatz der Moderne, scheint die 
prozessen noch mehr Angst vor öffentlicher Teilhabe und Auflehnung zu schüren. So geben sich viele 
Erinnerung an den energischen Aufruhr zu vergilben. Denken wir an die Reichweite zurück, mit der 
zurückhaltend vor Grenzen, die vielleicht gar nicht existieren. Bevor Fabian etwa mit einem Boot 
konstruktivistische Architektur und Kunst vor hundert Jahren dem handwerklichen, schöpferischen 
durch den Straßenverkehr lief und dieses vor der Eremitage abstellte, wurde er von mehreren davor 
Gestus abgesagt hatte, den die Staatliche Akademie heute weiterhin fördert und fordert. „Die Kunst 
gewarnt. Er könne Probleme bekommen. Es sei nicht mehr lang zur Wahl, die Polizei somit gereizt. 
ist tot. Es lebe die Maschinenkunst Tatlins!“, verkündeten auch in Berlin John Heartfield und George 
Vielleicht ein Zufall, doch passiert ist nichts. „Seht, alles ist in St. Petersburg möglich, den Leuten 
Grosz  auf  Plakaten  der  internationalen  Dada-Messe  1920.  Kasimir  Malewitschs  „Schwarzes  Qua-
wird nur Angst davor gemacht“, rief uns auch Dmitry übereifrig zu, als er eines Nachts das Dach eines 
drat auf weißem Grund“ (1915) ist in Europa noch immer umgangssprachliches Klischee, um die 
Supermarktes bestieg und uns aufrief, mitzukommen. Sein Freund blieb unten. Es sei Privatbesitz, da 
Bedingungen von (und oft auch das Unverständnis gegenüber) abstrakten Tendenzen in Europa bis 
müsse er doch Respekt wahren. 
in die Gegenwart zu erklären. Während die sowjetische Avantgarde im Ausland hochgeschätzt wird, 
scheint in St. Petersburg die Auseinandersetzung mit Kunst und Architektur um die Revolution 1917 
und später nur zögernd zu beginnen. So fand etwa die erste umfangreiche Ausstellung zum kon-
struktivistischen Bauerbe der Stadt im Jahre 2008 statt („Vom Experiment zur Praxis - der Lenin-
grader Konstruktivismus“). Trotz Sanierungsschwierigkeiten werden langsam aber mehr und mehr 
Bauten unter Denkmalschutz gesetzt. Während bis in die 1990er Jahre nur 15 Objekte auf der Liste 
standen, waren es 2008 schon etwa 80 Bauten. (Unter ihnen auch die Textilfabrik „Krasnoe Znamja“ (dt. „Rote 
Fahne“), entworfen von Erich Mendelsohn, in der unsere Ausstellung stattfand.) 
Ähnlich steht es um Werke der späteren Sowjet-Zeit, als unmittelbare Reaktion und Diffamierung 
des modernen, freiheitlichen Gedankenguts. Wie auch in der Bundesrepublik, füllen Werke, die den 
Idealen bzw. Richtlinien des Sozialistischen Realismus folgen, nicht Ausstellungen, sondern vielmehr 
Depots. Ob nun Verhaltenheit oder programmatisches Vergessen, ein solcher Umgang mit ganzen 
Werkepochen reiht sich in den Kanon einer problematischen Vergangenheitsbewältigung ein. Bie-
tet uns doch die Kunst Möglichkeit zur Situierung in der Zeit, in dem wir das (Bild-)Vokabular, die 
Ausdrucksformen und vor allem das Zeitgefühl unserer Vergangenheit und Gegenwart erfahren und 
3. Da draußen.
studieren können. In Russland jedoch spielt ein Lied, das zwischen Verdrängung oder Verherrlichung 
Am Bahnhof zieht ein bedrohlich geschlossener Menschenstrom vorbei, im Chor singend treten Or-
der Sowjetzeit changiert, Ängste zwischen Existenzverlust und Perspektivlosigkeit schürt, Erinnerun-
thodoxe gegen Abtreibung ein. Das verzerrte Lächeln eines Markenmodells auf dem überdimensio-
gen an Weltkriegs- und Weltmachtszeiten weckt. In Rahmen dieser Zeilen ist es unmöglich sich die-
nierten Plakat dahinter ist nicht weniger eindringlich. Neben Leuchtreklamen der zahlreichen Ein-
ser Problematik detailliert zu widmen, sie nicht an einseitige Einzelbeispiele zu binden. Vielmehr soll 
kaufszentren blitzen immer wieder blankpolierte Kirchturmspitzen auf. Konsum und Kirche ziehen 
ein grundlegender Umgang mit historischen Spuren und das offensichtliche Ausklammern jüngster 
durch die Straßen, doch der Schritt der Einwohner scheint schneller. Keine Kaffeepausen, um die 
Geschichte als Widerspruch zu einer mündigen Zeitgenossenschaft angesprochen werden.  
Plätze zu beschauen. Die Zigarette wird im Laufen geraucht, wenige unterhalten sich. Viele geben 
Spuren müssen öffentlich markiert, vermittelt und diskutiert werden, um zu bedeuten. Es ist ein Un-
sich dem Strom hin, tagsüber entladen sich die außerhalb gelegenen „Schlafbezirke“ im Zentrum. 
terschied, ob wir vor einer Wand mit einem Loch stehen oder vor einer, von der wir wissen, dass das 
Weil wir nur umherschweifen, scheint uns das Ziel der anderen umso fester. Alles wird zum Durch-
Loch durch einen tödlichen Schuss entstanden ist. Was also passiert, wenn diese Geschichte in sich 
gangsort, um weiter zu kommen. Wohin aber? Nicht unzufrieden oder trüb wirken die Gesichter, 
zerfällt, wie das konstruktivistische Krankenhaus oder späteres Sowjeterbe, weil es nicht geschätzt 
nur wenig eingenommen von den uns überwältigenden Maßen - den breiten Straßen entlang der 
wird?  Worauf  basiert  das  Zeitgenössische,  wenn  eine  Stadt  sich  so  stark  über  Vergangenes  defi-
imposanten Gebäudezüge. Teilnahmslos, als wolle sich keiner mit dem Öffentlichen einlassen. Als 
niert und gleichzeitig bewusst so große Teile ausspart? Nicht nur zeitgenössische Künstler müssen 
gehe es einen nicht an. 
sich in einem Paradox befinden. Während sich nach dem Zerfall der Sowjetunion die Konsumkultur 
stark am Westen orientiert, das Internet Zugang zu weitläufigen Quellenlandschaften bietet, werden 
Werte um jahrhundertealte Tradition hochgehalten und gleichzeitig mit Bezug auf die Orthodoxe 
4. Gast zu sein.
Kirche zu legitimieren versucht. Wenn jedoch die jüngere Geschichte nur diskreditiert, nicht aber 
als  Grundlage  des  Gegenwärtigen  diskutiert  wird,  was  rahmt  das  Handeln  der  Zeitgenossen,  der 
22. - 31. Oktober: Zweite Reise (Andreas, Dmitry, Fabian, Katja, Lukas, Markus, Nick, Tina)
Künstler? Jahrhundertealte Tradition, in sich gefestigt, ja heilig? Respekt, Angst oder Desillusionen? 
In Berlin verliert sich nicht nur der Überblick, sondern auch die Bedeutung schnell in der Masse. 
Wir fühlen wir uns erst dann bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn wir uns als Teil unse-
Die Zahl der Ausstellungen ist überfordernd groß und die sich um sich selbst drehenden Publikums-
rer  heutigen  Umgebung  begreifen.  Ein  distanzschaffender  Umgang  mit  jüngst  Vergangenem  ent-
Kreise sind gefestigt. Ohne die Potentiale der Kunst bestreiten zu wollen, legt sich doch zu oft eine
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